Was ist Ryhthmische Gymnastik?
Die Rhythmische Gymnastik ist laut Ex-IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch die "charmanteste und fraulichste Sportart der Welt". Die Verbindung von Bewegung und Musik, bei gleichzeitiger Handhabung des Gerätes, ist die Charakteristik der Rhythmischen Gymnastik.
Voraussetzungen
sind Körperbeherrschung und Konzentration, ohne Grazie und Harmonie der
Bewegung zu vernachlässigen. In kaum einer anderen Sportart haben die Aktiven
gleiche Möglichkeiten, ihre Persönlichkeit zu entfalten und zum Ausdruck
zu bringen. Rhythmische Gymnastik ist Koordination von sportlicher Höchstleistung,
ästhetischer Bewegung, Zeit- und Raumgefühl und gestalterischem Können.
Rhythmische Gymnastik wird immer mit Handgeräten und Musikbegleitung ausgeübt. Fünf Geräte stehen zur Auswahl: Seil, Ball, Reifen, Keulen und Band (s.Bilder unten). Vier davon werden vom Int. Turnverband für jeweils zwei Jahre für den Einzelbewerb festgelegt. Das fünfte Gerät kommt dafür im Gruppenbewerb (s.Bild re) zum Einsatz. Die Musikbegleitung darf durch ein oder mehrere Instrumente erfolgen. Gesang ist verboten.
Handgeräte
Die Auswahl der Handgeräte bestimmt im Rhythmus von zwei Jahren der Internationale Turnerbund (FIG; Liste 2009-2012). Fünf Geräte stehen dabei für den Einzel- und für den Gruppenbewerb grundsätzlich zur Auswahl:
Seil:
Das Seil besteht aus Hanf oder einem synthetischen Material. Die Länge richtet sich nach der Körpergröße der Gymnastin. Das Seil ist ein sehr dynamisches Handgerät. Gymnastinnen mit guter Explosiv- u. Sprungkraft haben hier ihre Stärken. Der obligatorische körpertechnische Schwerpunkt liegt bei Sprüngen (mind. 4) und Hüpfern sowie Pirouetten (mind. 4). Die gerättechnischen Elemente sind Rotation, Werfen und Fangen, kleine Würfe, Schwünge, Segel- und Achterbewegungen.Reifen:
Der Reifen besteht aus Kunststoff oder Holz und wiegt mindestens 300 Gramm. Der Innendurchmesser beträgt 80 bis 90cm. Der obligatorische körpertechnische Schwerpunkt liegt bei Sprüngen, Drehungen, Gleichgewichts- und Beweglichkeitselementen in gleichmäßiger Verteilung der Schwierigkeiten (mind. 2 max. 4). Die gerättechnischen Elemente sind Rollen am Körper oder Boden, Rotation, Werfen und Fangen, Passagen durch oder über den Reifen, Schwünge und Achterbewegungen. Der Reifen bietet die größtmögliche Variation an Bewegungen.Ball:
Der Ball besteht aus Gummi oder synthetischem Material, wiegt mindestens 400 Gramm. Der Durchmesser beträgt zw. 18 und 20 cm. Der obligatorische körpertechnische Schwerpunkt liegt bei den Beweglichkeitselementen und Körperwellen (mind. 4) sowie Sprüngen (mind. 4).Die gerättechnischen Elemente sind Werfen und Fangen, Prellen, Rollen am Körper oder Boden, Schwünge und Achterbewegungen, etc. Der Ball ist ein "lyrisches" und elegantes Handgerät. Er liegt in der Hand der Gymnastin, ohne Abstützen am Handgelenk und ohne "Grapschen". Die Bewegungen sollen fließend sein.Keulen:
Die Keulen sind 40 bis 50 cm lang, jede wiegt mindestens 150 Gramm und besteht entweder aus Holz oder Kunststoff. Der obligatorische körpertechnische Schwerpunkt liegt bei den Gleichgewichtselementen (mind.4) sowie Pirouetten (mind.4). Die gerättechnischen Elemente sind Mühlhandkreisen, kleine Kreise, Werfen und Fangen, Schlagen, asymmetrische Bewegungen, Schwünge und Achterbewegungen. Die Handhabung der Keulen setzt gute psychomotorische Koordinationsfähigkeit, Rhythmusgefühl und präzises Arbeiten voraus, sie sind das bevorzugte Handgerät für Gymnastinnen mit ausgeprägter, beidhändiger Geschicklichkeit.Band:
Das Band besteht aus ungestärkter Seide oder ähnlichem Material, es ist mindestens 6 Meter lang und 4 bis 6 cm breit. Der Bandstab hat einen Durchmesser von 1 cm und eine Länge von 50 bis 60cm, ist aus Bambus oder Holz oder Kunststoff oder Fiberglas. Das maximale Gewicht beträgt 35 Gramm. Der obligatorische körpertechnische Schwerpunkt liegt bei den Pirouetten (mind.4) sowie Sprüngen (mind.4). Die gerättechnischen Elemente sind Schlangen und Spiralen, Werfen und Fangen, Schwünge und Achterbewegungen. Die Handhabung des Bandes sollte in weiten, fließenden, konstanten Bewegungen erfolgen.
Wettkampf-Disziplinen
Rhythmische Gymnastik kennt zwei unterschiedliche Wettkampf-Disziplinen:
- Wettkämpfe im Einzelbewerb: Seit 1984 ist der Mehrkampf olympisch
- Wettkämpfe im Gruppenbewerb: 1996 zum ersten Mal im olympischen Programm
Die Einzelgymnastinnen bestreiten einen Mehrkampf (vier Übungen) und die Gerätfinali, für die sich die besten acht Gymnastinnen pro Handgerät qualifizieren. Bei Welt- und Europameisterschaften wird zusätzlich noch ein Mannschaftswettkampf ausgetragen.
Die Gruppen bestehen aus sechs Gymnastinnen, von denen jeweils fünf eine gemeinsame Übung präsentieren. Im Wettkampfprogramm stehen jeweils zwei Übungen, eine mit dem gleichen Handgerät (zurzeit fünf Seile) und eine mit zwei verschiedenen Handgeräten (zurzeit zwei Paar Keulen und drei Reifen).
Übungsdauer
Eine Einzel-Übung ist maximal 1:30 min lang, eine Gruppenübung dauert maximal 2:30 min.
Musik
Die Musikbegleitung kommt meist von einer CD - und ist auf die Übungen zugeschnitten, oder extra dafür komponiert. Musikbegleitung darf durch ein oder mehrere Instrumente erfolgen, stimmliche Begleitung ist erlaubt, jedoch kein Text.
Kampfgericht
Als Kampfrichterinnen werden vorwiegend Damen eingesetzt, die eine schwierige Prüfung nach int. Norm bestanden haben und daher ein hohes Maß an Fachkenntnis wieSituationsgewandtheit besitzen. Das Kampfgericht besteht für jede Übung aus einer D-, einer A-und einer E-Jury. Die D(ifficulty)-Jury bewertet den "Technischen Wert" (Schwierigkeiten mit dem Körper und Handhabung mit dem Gerät), die A(rtistic)-Jury den "Künstlerischer Wert" (Komposition, Ausdruckskraft). Die E(xecution)- Jury beurteilt die Ausführung.
Bewertung
Eine Gymnastin kann für eine Übung maximal 30 Punkte erhalten. Diese Höchstnote setzt sich so zusammen: 10 Punkte für die Schwierigkeit und 10 Punkte für den Künstlerischen Wert, der die Interpretation der musikalischen Begleitung beurteilt und maximal 10 Punkte für die Ausführung. Die Höchstnote im Mehrkampf beträgt also 120.00 Punkte.
Wettkampffläche/-halle
Die Wettkampffläche besteht aus einem 13x13 Meter großen Teppich auf einem speziell abgefederten Unterbau (letzterer kann bei kleineren Meetings und Nachwuchsbewerben auch weg gelassen werden). Die rote Linie begrenzt die Wettkampffläche - bei Übertretungen gibt es Punktabzug. Die Wettkampfhalle muss über dem Teppich mindestens zehn Meter hoch sein, wobei auch keine Verstrebungen tiefer liegen dürfen. Sonst könnten Geräte anschlagen oder hängen bleiben.
Chronik der RG (in Österreich)
Die Ursprünge der Rhythmischen Gymnastik als Wettkampfdisziplin gehen auf die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. 1963 fand dann in Budapest die erste Weltmeisterschaft statt, 1978 in Madrid die erste Europameisterschaft.
Die Premiere der Rhythmischen Gymnastik innerhalb des ÖFT ereignete sich 1968: Erstmals wurden Staatsmeisterschaften ausgetragen, allerdings noch unter der Bezeichnung "Moderne Gymnastik" (die Umbenennung auf "Rhythmische Sportgymnastik" erfolgte 1974 und auf "Rhythmische Gymnastik" 1998). Schon davor hatte der Österreichische Gymnastikbund einige Jahre lang Wettkämpfe organisiert.
Seit 1984 ist die Rhythmische Gymnastik eine olympische Sportart. Bisher nahmen vier österreichische Gymnastinnen an den Olympischen Spielen teil: 1988 Elisabeth Bergmann (Rang 25), 1996 Birgit Schielin (Rang 24) und Nina Taborsky (Rang 29) sowie 2008 Caroline Weber als bisher bestplatzierte Österreicherin auf Rang 17.
Zwei Mal organisierte der ÖFT bislang int. Topereignisse in Wien: Die Europameisterschaft 1984 und die Weltmeisterschaften 1995. Außerdem konnte man die Weltelite 1994 (Wien), 1996 (Wien), 1998 (Linz), 1999 (Korneuburg), 2002 und 2003 (Innsbruck) auch beim Grand-Prix-Finale in unserem Land bewundern. Die amtierende österreichische Staatsmeisterin ist Caroline Weber (TS Dornbirn), sie hält mit 39x Gold auch den ewigen Staatsmeistertitelrekord.
Die GUG hat 4 geprüfte Kampfrichter
| Name | Brevet |
| Mag. Sabine Arenkens | Internat. Brevet IV |
| Mag. Beatrice Baglioni-Greilberger | Internat. Brevet IV |
| Denise Rösl | Nationales Brevet |
| Sabrina Peternell | Regionales Brevet |
| Gudrun Posedu | Regionales Brevet |
Wer ebenfalls Interesse hat als Kampfrichter oder als Trainer bei uns tätig zu werden, kann sich jederzeit an uns wenden: Sabine Arenkens (GUG Obfrau / Steirische Kampfrichterobfrau)